{"id":281,"date":"2008-03-01T15:08:14","date_gmt":"2008-03-01T14:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.daswerk.net\/seite15\/?p=281"},"modified":"2008-03-01T21:21:21","modified_gmt":"2008-03-01T20:21:21","slug":"281","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seite15.de\/?p=281","title":{"rendered":"Sentimentalit&#228;ten."},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"460\" height=\"96\" alt=\"Wiesengrund\" id=\"image280\" title=\"Wiesengrund\" src=\"http:\/\/www.daswerk.net\/seite15\/wp-content\/panorama-klein.jpg\" \/><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Gut Mike und ich sa&#223;en da normal im Sommer, nicht bei solchem Sauwetter &#8211; aber darauf kommt es auch nicht an. Der Ort war und ist nur schm&#252;ckendes Beiwerk. Es geht vielmehr um die Tatsache an sich, um unsere Jugend, Gemeinschaft, Freundschaften und das andere Heute.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer ein wenig Ges&#252;lze &#252;ber meine Jugend h&#246;ren m&#246;chte darf weiterlesen. M&#252;ssen um Himmels Willen tut niemand. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Brennnesselrauchen mit Mike<\/strong>.<br \/>\nVor 35 Tagen verr&#228;t mir mein Iphone habe ich diese Notiz geschrieben. Ich war mit meinem Rad unterwegs, Kopf durchblasen, Frische Luft und so. Das Wetter von damals passt zu dem von heute. Ich bin an dem oben zu sehenden kleinen See und der alten Holzbank vorbeigekommen. Mike und ich sa&#223;en fr&#252;her manchmal da. Wir waren mit unseren R&#228;dern unterwegs. Er mit seinem BMX, ich mit dem alten Scott Hardtail, haben Brennnesbl&#228;tter gesucht, sie mit Tabak vermischt und geraucht. Warum ist mir heute nur noch schleierhaft nachvollziehbar.<\/p>\n<p>An dieser Stelle bin ich also vor 35 Tagen wieder vorbeigekommen. Anders als damals alleine. Da spricht man unweigerlich mit sich selbst und mit seinen Gedanken. Mit wem auch sonst, wenn niemand da ist. So schnell meine Finger hinterher kamen habe ich mitgeschrieben:<\/p>\n<p><strong>Wir haben Besseres zu tun! <\/strong><br \/>\nGrunds&#228;tzlich gibt es da dieses Gef&#252;hl, dass wir heute unsozialer sind als wir fr&#252;her waren. Sozial und das hei&#223;t in diesem Zusammenhang um Himmels Willen nur das, was der lateinische Ursprung eigentlich meint: \u00bbGemeinsam, verbunden, verb&#252;ndet\u00ab. Sozial ist mir heute schon viel zu sehr im politischen Diskurs verankert und missbraucht. Es geht viel Mehr um so etwas wie die Grundbedingtheit des Zusammenlebens, das Menschsein, schlicht um den Mensch als soziales Wesen.<br \/>\nWenn ich sage wir sind heute ein St&#252;ck weit unsozialer dann meine ich vor allem, dass wir heute keine Brenesselbl&#228;tter mehr rauchen. Nicht mehr gemeinsam einfach die Zeit rumbringen. Wir haben besseres zu tun. Haben wir das wirklich?<\/p>\n<p>Mike und Ich sprechen uns heute nur noch sehr selten. Wir fahren schon lange nicht mehr zusammen Rad, verbinden schon lange keine Erlebnisse mehr mit der selben Musik, gehen nicht mehr auf die selben Partys und spielen schon lange kein Hockey mehr zusammen. Eigentlich gibt es heute, so hart das klingt, nichts mehr was uns verbindet &#8211; au&#223;er eben unserer Vergangenheit. Das eigentlich Komische kommt aber dann erst noch:<br \/>\nWir waren mal so etwas was man wohl beste Freunde nennt. Weder er noch ich sind im Ausland veschwunden, weder er noch ich stecken von Montag bis Freitag im Beruf. Wir haben uns nicht gestritten. Im Gegenteil wir haben immer gesagt: &#8222;Lass uns mal wieder telefonieren&#8220;. Niemand wollte nichts mehr vom dem Anderen wissen &#8211; es hat sich schlicht, und das ist das eigentlich Seltsame, verfl&#252;chtigt. Dabei ist die Geschichte mit Mike und mir nur eine unter vielen; vielleicht aber eine besonders deutliche. Felix, Frieder, Toni, Yella, Ruth, Dshingis, Eric, Sauer, &#8230;&#8230;.. ich k&#246;nnte diese Liste zwar deutlich absteigend aber dennoch sehr lange fortf&#252;hren.<\/p>\n<p><strong>Individualit&#228;t vs. Kollektivit&#228;t. <\/strong><br \/>\nJeder von uns entwickelt sich mit ansteigendem Alter deutlich selbst&#228;ndiger. Eigene Vorlieben und Eigenheiten treten in den Vordergrund. Fr&#252;her waren es kollektive: Der gleiche Musikgeschmak, die gleichen Erlebnisse, das gleiche Hobby. Nach Aussen hat das immer f&#252;r Abgrenzung zu anderen Gruppen gesorgt &#8211; nach innen hingegen f&#252;r Zusammenhalt. Heute sitzen wir eher alleine vor dem Fernseher als Jemanden anzurufen. Gr&#252;nde hat das nat&#252;rlich vielschichtige. Da wo der Kontakt erstmal d&#252;nn geworden ist braucht es ein gr&#246;&#223;eres Momentum den Kontakt wieder aufzubauen. Da wo man keine oder kaum noch gemeinsame Hobbys hat muss man sich erst m&#252;hsam &#252;berlegen was man denn zusammen unternehmen k&#246;nnte. Das ist der Griff zur Fernbedienung schneller und vor allem bequemer als der zum Telefon. All das ist nachvollziehbar und schade zu gleich.<br \/>\nDie Schuldfrage gibt es nicht. Die Ursachen sind ebenso vielschichtig wie individuell. Ein paar Auff&#228;ligkeiten trotzdem zum Schluss:<\/p>\n<p><strong>1. Die Entfernung<\/strong><br \/>\nWir wohnen weiter auseinander. &#220;ber Deutschland verteilt. Aber hey &#8211; sowas ist kein triftiger Grund.<\/p>\n<p><strong>2. Das Ende der alten Strukturen<\/strong><br \/>\nAus dem heimischen Sportverein sind wir ausgetreten oder spielen nur noch Aushilfsweise. Der Kontakt wird seltener &#8211; zum neuen Verein in der Unistadt haben wir uns immer noch nicht aufgerafft.<\/p>\n<p><strong>3. Die Beziehung<\/strong><br \/>\nM&#228;nnlein + Weiblein f&#252;hlen sich zu zweit am Wohlsten. Das ist auf der einen Seite verst&#228;ndlich verhindert auf der anderen Seite aber auch viele soziale Kontakte.<\/p>\n<p><strong>4. Wir selbst<\/strong><br \/>\nZitat Frieder: &#8222;Ich hab den Eindruck die Anderen sitzen mittlerweile eher allein vor dem Fernseher und sprechen mit niemanden, als das Sie mit jemanden sprechen und zugeben alleine vor dem Fernseher zu sitzen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>5. Die Verpflichtungen<\/strong><br \/>\nUni ist wichtig. Ein guter Abschluss erst recht. Heute bem&#252;hen sich sogar Leute wie ich ganz bewusst um gute Noten und schrauben daf&#252;r die Freizeit zur&#252;ck. Fr&#252;her undenkbar und doch vern&#252;nftig nachvollziehbar. Bei anderen kommt die Arbeit hinzu.<\/p>\n<p><strong>6. Die Uni<\/strong><br \/>\nist ein loser Mischmasch, die Schule war ein fester Verbund. Heute sitzt du mit diesen 60 morgen mit jenen 80 Kommilitonen im Kurs. &#220;bermorgen mit 320 Anderen im Audimax. Hat irgendjemand so etwas wie ein Klassenfoto von seinem Semester? Oder eine Telefonliste? Nur zur Erinnerung so etwas hat jede Grundschule und jeder noch so provinzielle Sportverein geschafft. Die Uni nicht. An der Uni bist du einer unter vielen Einzelnen &#8211; in der Schule warst du Teil einer Klasse. De facto habe ich an der Uni in 2,5 Jahren kaum einen mir wirklich wichtigen, neuen Freund kennengelernt. &#220;berhaupt in ganz Regensburg nicht. Nette Leute ja, wobei selbst die k&#246;nnte ich an zwei H&#228;nden abz&#228;hlen. Hallo Nicola. Und hey so alleine bin ich da nicht. Der Fips? Franz, Stefan und den Ossi &#8211; das ist zweimal ganz nett und einmal f&#252;rn Arsch. Der Mike? Kennt, nach eigener Aussage, wenn er durch die Uni l&#228;uft praktisch niemanden. Maike? Julika &#8211; Ok die erste wirklich gute neue Freundschaft. Eine einzige bei 4 Leuten. In 5 Semestern wohlgemerkt. Der Rest sind alte Freunde aus N&#252;rnberg oder Donauw&#246;rth. Kaum Neues an der Front<br \/>\nAn der FH ist das bedeutend anders, glaube ich zumindest. In ganz kleinen Studieng&#228;ngen auch. Jemand Erfahrung? Jemand von der FH hier?<\/p>\n<p><strong>Einsicht zum Schluss<\/strong><br \/>\nAll das ist eine Momentaufnahme, an manchen Stellen &#252;berpointiert und an anderen &#252;bergewichtet. Es geht nicht um absolute Gr&#246;&#223;en sondern um ein Gef&#252;hl. Solche Momente und dieser Text haben doch vor Allem den einen Zweck: Sich eben dieses Gef&#252;hl, diese Situationen zu vergegenw&#228;rtigen um, in der Folge, mal wieder seinen eigenen Schweinehund zu &#252;berwinden und sich mit den Kumpels zu treffen. Der Rest ergibt sich dann schon wieder von alleine. Hoffentlich.<\/p>\n<p>Ach ja am Land glaube ich ist das auch ein wenig anders als in der Stadt. Weil man sich zwangsl&#228;ufig &#246;fter sieht. Zw&#228;nge sind &#252;berhaupt gut &#8211; aber dazu ein ander Mal mehr. Ich habe gerade beim Felix angerufen. Gehe jetzt mit ihm Fussball schauen &#8211; das haben wir auch schon lange nicht mehr gemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gut Mike und ich sa&#223;en da normal im Sommer, nicht bei solchem Sauwetter &#8211; aber darauf kommt es auch nicht an. Der Ort war und ist nur schm&#252;ckendes Beiwerk. 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